Das neue Jahrtausend beginnt 2001
Ein einfacher Zusammenhang, erklärt
für jedermann (von SchülerIn bis zu ProfessorIn)
--> There is an English version of this page.
Dies ist die im Jahr 2000 geschriebene Version
des Textes, der für das Jahr 2001 in einer aktualisierten Version
vorliegt. Wer nicht spezielles Interesse an diesem Text aus Sicht des Jahres
2000 hat, sollte die aktuelle Version lesen.
Die
Links in dieser 2000er Version sind u.U. veraltet.
2000 ist eine ganz besondere Jahreszahl, und fast jeder wird den letzten
Jahreswechsel ganz besonders gefeiert haben. Aber am
Ende dieses Jahres gibt es erneut Grund zum Feiern, weil nämlich
am 1.1.2001 tatsächlich das neue
Jahrtausend beginnt. Wir leben also noch nicht im 3. Jahrtausend unserer
Zeitrechnung, sondern im letzten Jahr des 2. Jahrtausends.
Wir können zweimal ganz groß
feiern!!!
Der dahinterstehende Zusammenhang ist eigentlich ganz einfach und soll
im Folgenden erläutert werden:
Wenn man Jahre zählt, beginnt
man mit dem Jahr 1. Das erste Jahrzehnt endet am Ende des Jahres 10, das
erste Jahrhundert am Ende des Jahres 100, das erste Jahrtausend am Ende
des Jahres 1000, demzufolge endet das zweite Jahrtausend am Ende des Jahres
2000.
Das war’s. Wer jetzt schon überzeugt ist, braucht nicht weiterzulesen.
Außer um Argumente zu sammeln für Diskussionen, die sicher kommen
werden.
Jetzt gibt es noch mögliche Einwände von Leuten, die so schnell
nicht aufgeben. Alles Folgende dient nur dazu auf solche Einwände
einzugehen.
Themenübersicht
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In den Worten Jahrtausendwechsel oder Jahrtausendwende drückt
sich eine massive Veränderung aus. Diese findet statt, wenn alle vier
Ziffern der Jahreszahl einen neuen Wert annehmen, also von 1999 zu 2000
wechseln, aber doch nicht beim Wechsel von 2000 zu 2001.
Fast alle lebenden Menschen haben die aktuelle Jahreszahl immer mit
"neunzehnhundert..." ausgesprochen. Plötzlich hat sich das zu "zweitausend..."
geändert, und das ist ein ganz tiefgreifender Wechsel, der es wert
war, ganz besonders gefeiert zu werden.
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Dem kann man nur zustimmen. Meiner Meinung nach hat die Menschheit seit
998 Jahren keinen so starken Anlass für eine rauschende Silvester-Party
gehabt wie zum Jahreswechsel 2000. Viele, viele Generationen von Menschen
konnten so etwas niemals erleben!
Wir haben also den Wechsel gefeiert, aber
bleiben wir sprachlich korrekt: Wir haben den Wechsel der Tausenderstelle
gefeiert. Oder den Wechsel aller 4 Jahresziffern. Oder den Wechsel der
Hunderter-Angabe. Schade, dass es dafür (noch?) kein griffiges Wort
gibt. Tausenderstellenwechsel? Oder kürzer: Tausenderwechsel?
Aber: Wenn man vom Jahrtausendwechsel oder von der Jahrtausendwende
redet, dann verwendet man das zwar sprachlich ähnliche, aber ganz
klar definierte Wort Jahrtausend, und das kann man sinnvoll nur
auf unsere Zeitrechnung beziehen. Da wären wir dann wieder beim Jahr
2001, mit dem das dritte Jahrtausend unserer Zeitrechnung beginnt.
Ist das so etwas Besonderes? Müssen wir das mehr feiern als andere
Jahreswechsel? Das bleibt jedem selbst überlassen. Viele werden es
sicher ähnlich groß feiern wie das Jahr 2000. Womit wir wieder
beim Thema wären: Wir können zweimal
ganz groß feiern!!!
?
Wenn man im Jahr 0 anfängt zu zählen, dann beginnt das dritte
Jahrtausend im Jahr 2000.
2
1582 wurde der Gregorianische
Kalender festgelegt, der heute unsere Zeitrechnung bestimmt. Die Zählung
der Jahre „nach Christi Geburt“ (n.Chr.) gab es damals aber schon, sie
wurde bereits im Jahr 525 n.Chr. durch Dionysius Exiguus begründet.
Davor gab es (neben anderen) die varronische Zeitrechnung, die bei der
Gründung Roms begann. Das Jahr 1 n.Chr. entspricht dem varronischen
Jahr 754. Das varronische Jahr 1 wurde dadurch zum Jahr 753 v.Chr., d.h.
es
gibt kein Jahr 0, sondern nach dem Jahr 1 v.Chr. folgt direkt das Jahr
1 n.Chr.
Dieser Umstand hat allerdings die Astronomen, die eine beliebig verlängerbare
kontinuierliche Zeitachse benötigen, so gestört, dass sie (im
Gegensatz zu unserer "bürgerlichen") die astronomische Zeitrechnung
erfunden haben. Dort gibt es tatsächlich ein Jahr 0, das dem Jahr
1 v.Chr. entspricht, und es gibt sogar negative Jahre, wobei das Jahr -1
dem Jahr 2 v.Chr. entspricht, usw. Allerdings wäre es wirklich an
den Haaren herbeigezogen, allen Jahr-2000-Begeisterten in den Mund zu legen,
sie würden sich an der astronomischen Zeitrechnung orientieren. Dann
müsste man erst einmal den Kindern in der Schule beibringen, dass
Rom im Jahr -752 gegründet wurde.
Bei den Links unten kann man sehen, dass gerade Astronomen
sehr gut auch im Gregorianischen Kalender zu Hause sind und zu den richtigen
Ergebnissen kommen.
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Ab dem Tag, an dem jemand z.B. seinen 20. Geburtstag feiert, sagt man ein
Jahr lang, er sei 20 Jahre alt. Genauso müsste es doch auch mit den
Jahreszahlen sein. D.h. am 1.1.2000 müsste unsere Zeitrechnung doch
2000 Jahre alt gewesen sein und nicht erst 1999.
Hierauf gibt es zwei Antworten, eine anschauliche
(3a) und eine theoretische (3b). Beide haben das gleiche Ergebnis. Sorry,
dass sie so lang ausfallen, aber dies sind die Knackpunkte der "Jahrtausendfrage".
3a
Bei Menschenjahren sprechen wir meistens z.B. über den 19. Geburtstag
(eigentlich: 19. Jahrestag der Geburt) oder darüber, dass jemand 19
Jahre
alt ist. Nur selten reden wir darüber, dass sich jemand im
20.
Lebensjahr befindet. Und denken kaum darüber nach,
dass der runde 20. Geburtstag erst nach Ende (!) des 20. Lebensjahrs
kommt.
Stellen wir uns doch einmal vor, unsere Zeitrechnung wäre ein
Mensch und hätte immer am 1. Januar Geburtstag. Die Zählung der
Jahre entspräche dann den Lebensjahren beim Menschen. Ihr erstes
Lebensjahr war das Jahr 1, denn es gab ja kein Jahr 0. Nach seinem Ende,
also an Neujahr des Jahres 2, hatte sie ihren 1. Geburtstag, war also 1
Jahr alt und hatte ihr 2. Lebensjahr begonnen. So, nun gehen wir von da
aus einfach 1998 Jahre weiter: An Neujahr des Jahres 2000 war ihr 1999.
Geburtstag, dann ist sie also 1999 Jahre alt und befindet sich im 2000.
Lebensjahr. Somit feiert sie ihren runden 2000. Geburtstag erst nach Ende
des 2000. Lebensjahres, also am 1.1.2001.
Jetzt wird auch klar, warum wir ganz schnell zu falschen Ergebnissen
kommen, wenn wir die Zählung von Menschenjahren auf die Jahre unserer
Zeitrechnung übertragen wollen. Die Jahreszahl
unserer Zeitrechnung darf man nur mit dem selten erwähnten (laufenden)
Lebensjahr
eines Menschen vergleichen und nicht dem viel gebräuchlicheren Alter
in ganzen Jahren (der Zählung der vollendeten Lebensjahre).
Anmerkung: Man darf diese anschauliche Vorstellung nicht überstrapazieren.
Unsere heutige Zeitrechnung ist so definiert, dass der Jahreswechsel immer
am 1. Januar stattfindet. Das war vor vielen Jahrhunderten ganz anders
und sogar uneinheitlich geregelt. Wenn man historisch vom Jahr 1 redet,
darf man also nicht den 1. Januar als Jahresanfang nehmen. Wir haben dies
oben nur getan, um das richtige Jahr für den Jahrtausendwechsel
herauszufinden. Alle Menschen im Bereich unserer Zeitrechnung werden an
einem 1. Januar das neue Jahrtausend feiern, also brauchen wir über
den Tag nicht zu streiten.
3b
Beim Hantieren mit Jahren muss man unterscheiden zwischen der sog. Kardinalzählung
und der Ordinalzählung. Die Kardinalzählung
ist die Angabe einer Anzahl (1 Element, 2 Elemente, 3 Elemente, ...), während
die Ordinalzählung einzelne Elemente einer Menge abzählt und
dadurch benennt (das 1., das 2., das 3., ... oder auch Element 1, Element
2, Element 3, ...). Bei der Kardinalzählung gibt es den Wert 0,
wenn noch kein vollständiges Element gezählt werden kann, während
schon das erste unvollständige Element die Ordinalzahl 1
erhält. Diese Differenz von 1 setzt sich
zu beliebig hohen Zahlen fort. Das klingt jetzt sehr theoretisch,
aber wir gehen im Alltag ständig unbewusst mit Kardinalzahlen (Kz.)
und Ordinalzahlen (Oz.) um:
Bei der Zeitmessung, z.B.: Während der 90. Minute (Oz.) eines
Fußballspiels zeigt die Stoppuhr 89: ... (Kz.).
Bei Lebensaltersangaben: Das 20. Lebensjahr (Oz.) eines Menschen beginnt
mit dem 19. Geburtstag (eigentlich: 19. Jahrestag der Geburt; Oz.) und
ist erst am 20. Geburtstag vorbei. Während des gesamten 20. Lebensjahrs
eines Menschen sagt man, er sei 19 Jahre alt (Kz.). Oder man macht genauere
Angaben, z.B. 19 1/2 Jahre (Kz.) oder 19 Jahre und 11 Monate (Kz.) oder
fast 20 Jahre (Kz.). Man würde aber nie sagen, er sei 20 Jahre alt,
während er sich noch in seinem 20. Lebensjahr befindet.
Unsere Zeitrechnung ist mit Jahren, Monaten
und Tagen als Ordinalzählung definiert worden. Also beginnt ein neues
Jahrhundert am 01.01.01. Die sprachliche Betonung der Ordinalzählung
ist bei Monaten und Tagen bis heute erhalten geblieben. Bei den Jahren
(z.B. "im 1600. Jahr des Herrn" - anno domini 1600) ging sie in den letzten
Jahrhunderten verloren. Damals wie heute scheint es den Menschen schwer
zu fallen, bei der Ermittlung der Anzahl vergangener Jahre (Kz.) aus der
Jahreszahl (Oz.) die Differenz von 1 zu berücksichtigen, also sich
klarzumachen, dass z.B. am 1.7.2000 erst ca. 1999,5 Jahre unserer Zeitrechnung
vergangen sind. Dass am 1.11. eines Jahres erst 10 Monate vergangen sind,
sieht dagegen jeder sofort - weil es kleinere Zahlen sind?
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Der deutsche Bundesrat hat am 14.12.1899 (!) beschlossen, dass der 1.1.1900
als der Beginn des 20.Jahrhunderts anzusehen ist. Somit muss sein Ende
ebenso wie das Ende des 2. Jahrtausends am 31.12.1999 liegen.
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Schon vor dem Jahr 1700 hat man sich darüber gestritten, wann das
neue Jahrhundert beginnt. Vor jeder Jahrhundertwende gab es teils heftige
Auseinandersetzungen mit unterschiedlichen Mehrheiten. Vor 100 Jahren gab
es an offiziellen Festlegungen eigentlich nur solche für den 1.1.1901,
außer eben in Deutschland, was auf einen Wunsch von Kaiser Wilhelm
II. zurückging. Letztlich wurde dadurch der Begriff „Jahrhundert“
umdefiniert, was aber nicht lange Bestand haben konnte. Z.B. schreibt das
dtv Brockhaus Lexikon zum Begriff Jahrhundert: „...
das 20. Jh. n. Chr. hat mit dem 1.1.1901 begonnen und wird mit dem 31.12.2000
enden.“
Zum Jahrtausendwechsel nimmt z.B. die US-Regierung
Stellung und verweist auf das zuständige U.S. Naval Observatory, mit
dem Ergebnis 1.1.2001. Der deutsche Bundestag hat in dieser Frage keine
Entscheidung treffen müssen, denn die Physikalisch-Technische
Bundesanstalt hat dazu längst klare Aussagen gemacht, natürlich
mit dem gleichen Ergebnis.
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Nach heutigen Erkenntnissen wurde Jesus Christus mindestens 2 Jahre vor
dem Jahr 1 geboren. Wer die Jahrtausendwende erst Silvester 2000 feiern
will, entfernt sich damit noch weiter vom tatsächlichen Zeitpunkt.
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Man darf wohl davon ausgehen, dass sich die Mehrzahl derer, die sich für
das neue Jahrtausend begeistern, am Beginn unserer Zeitrechnung orientieren
wollen und nicht am exakten Tag der Geburt Jesu Christi. Wer genau den
2000. Geburtstag von Jesus Christus feiern will, muss sich tatsächlich
sagen lassen, dass der richtige Zeitpunkt dafür bereits vorbei ist.
Aber auch die neuesten Erkenntnisse über das Geburtsjahr Christi haben
immer noch eine Ungenauigkeit von mehr als einem Jahr und haben bisher
in keinem Land der Welt die Einführung einer neuen Zeitrechnung bewirken
können.
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Die "neunziger Jahre" dauerten ja wohl von Beginn 1990 bis Ende 1999. Also
hat mit dem Jahr 2000 das neue Jahrzehnt angefangen, somit auch das neue
Jahrhundert und das neue Jahrtausend.
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Selbstverständlich wird niemand behaupten, dass die neunziger Jahre
von 1991 bis 2000 reichen. Wenn man daraus allerdings schließt, dass
die 90er Jahre deckungsgleich wären mit einem bestimmten Jahrzehnt
unserer
Zeitrechnung (nämlich dem 200. Jahrzehnt), geht man einen Schritt
zu weit. Das erste Jahrzehnt unserer Zeitrechnung schloss die Jahre 1 bis
10 ein, das zweite die Jahre 11 bis 20, usw., wie oben schon beschrieben.
Wenn man nun z.B. sagt: "In den 20er Jahren unserer Zeitrechnung begann
Jesus Christus, Menschen zu heilen", dann meint man damit sicher die Jahre
20 bis 29, eben weil sie alle eine 2 in der Zehnerstelle haben und alle
"...zwanzig" gesprochen werden. Das 3. Jahrzehnt unserer Zeitrechnung umfasst
jedoch die Jahre 21 bis 30. Es sind also voneinander unabhängige Bezeichnungen,
die - auf den Beginn unserer Zeitrechnung bezogen - nicht deckungsgleich
sein können.
Da bereits hunderte von Jahrzehnten unserer Zeitrechnung vergangen
sind, ist es nur verständlich, dass man den Bezug eines Jahrzehnts
auf unsere Zeitrechnung nicht korrekt vornimmt. Ein Jahrzehnt ist ein langer,
aber für einen Menschen noch gut überschaubarer Zeitraum, und
es besteht in der Regel kein Grund, es auf den Beginn unserer Zeitrechnung
zu beziehen. Und so verwendet man das Wort "Jahrzehnt" einfach als Synonym
für einen irgendwie zusammengehörenden Zeitraum von 10 Jahren,
z.B. haben wir wohl alle zum Jahreswechsel 1990 "das neue Jahrzehnt" gefeiert.
Warum nicht? Solange keiner den Beginn unserer Zeitrechnung ins Spiel bringt
...
Wenn jedoch noch nicht hunderte von Jahrtausendwechseln unserer Zeitrechnung
vergangen sind und es sich um ein ganz besonderes Ereignis handelt, das
enorm gefeiert werden soll (weil man es nicht alle paar Jahre erleben kann),
dann sollte man schon ganz genau wissen, wann man was feiert. Und dass
sich der zu feierende Jahrtausendwechsel am Beginn unserer Zeitrechnung
orientieren soll, wird ja wohl keiner bestreiten.
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Die Jahreszahlen 19xx gehören zum 20. Jahrhundert. Oder anders gesagt,
die Regel lautet: Wenn man wissen will, zu welchem Jahrhundert eine Jahreszahl
gehört, muss man zu der Hunderter-Angabe 1 hizuzählen. Dann liegt
das Jahr 2000 schon im 21. Jahrhundert, also ist auch das 2. Jahrtausend
mit Ablauf des Jahres 1999 vorbei.
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Das ist eine gute Regel, die aber leider nur zu genau 99 % stimmt. Jeder
Historiker oder Mathematiker auf dieser Welt wird zustimmen, dass das 1.
Jahrhundert unserer Zeitzählung die Jahre 1 bis 100 umfasste. Somit
stimmt die Regel beim Jahr 100 nicht, denn es gehört noch nicht zum
2. Jahrhundert. Das Jahr 2000 ist das letzte Jahr des 20. Jahrhunderts,
und erst mit dem Jahr 2001 beginnt das 21. Jahrhundert und somit auch das
3. Jahrtausend unserer Zeitrechnung.
Die Regel kann sicher problemlos angewendet werden bei pauschalen Aussagen,
bei denen 1 Jahr keinen Unterschied macht. Beispiel: Die elektrische Telegrafie
revolutionierte die Nachrichtenübermittlung des 19. Jahrhunderts.
Wo man sich aber vehement gegen jede einzelne falsche Verwendung von
Jahrhundert-Angaben wehren sollte, sind exakte z.B. historische Angaben.
Die britische Königin Victoria starb in den ersten Tagen des 20. Jahrhunderts,
nämlich am 22.1.1901. Niemand wird im Laufe des Jahres 2000 schon
sagen können, wie viele Verkehrstote es in Deutschland während
des 20. Jahrhunderts gegeben hat, weil es erst am 31.12.2000 zu Ende sein
wird.
Was das Feiern angeht, wollen wir nicht kleinlich sein. Exakte Angaben
in den Medien oder in wissenschaftlichen Veröffentlichungen sollten
aber wirklich exakt sein. Während des Jahres
2000 leben wir immer noch im 20. Jahrhundert; bezüglich dieser Tatsache
sollte es keine Toleranz für abweichende Ansichten geben.
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Was machen denn all die Leute, die aus Anlass des Jahrtausendwechsels teure
Reisen unternommen haben? Kein Gericht der Welt wird einen Reiseveranstalter
dazu verurteilen, die "Jahrtausendwende-Reise" ein Jahr später für
die gleichen Leute kostenlos zu wiederholen. Wenn doch, wäre das der
Ruin für viele Firmen.
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Sowohl Anbietern als auch Abnehmern von Leistungen oder Waren mit Bezug
zum Jahrtausendwechsel darf man unterstellen, dass sie zumindest anfänglich
wirklich geglaubt haben, dass das neue Jahrtausend mit dem Jahr 2000 beginnt
(es gibt aber auch positive Ausnahmen, z.B. Millennium
2001, Inc.). Es ist eine Vielzahl von Regelungen denkbar, um solche
Problemfälle zu lösen, ohne dass Firmen in den Ruin getrieben
werden. Wahrscheinlich werden sich viele Leute damit abfinden müssen,
dass sie den Wechsel aller Ziffern (2000) mit dem Aufwand gefeiert haben,
der ursprünglich für die Jahrtausendwende vorgesehen war. Aber
niemand sollte einen Kredit aufnehmen, bloß um die Jahrtausendwende
(2001) mit mindestens gleichem Aufwand feiern zu können.
Wie dem auch sei, Tatsachen lassen sich nicht durch wirtschaftliche
Erwägungen beseitigen.
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Das sind doch alles Rechthabereien von Wichtigtuern! Wenn der Jahrtausendwechsel
erst zum Jahr 2001 käme, dann würde doch nicht alle Welt vom
Jahr 2000 reden.
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Es gibt viele gute Gründe, vom Jahr 2000 zu reden und wohl alle haben
es ganz kräftig gefeiert. Und dass dafür ohne weiteres Nachdenken
(!) das Synonym „Jahrtausendwende“ verwendet wurde, kann man auch niemandem
ankreiden, außer vielleicht Historikern und Mathematikern, wenn tatsächlich
einer von ihnen diesen Begriff so locker gebrauchen würde. Wenn
Sie eine(n) MathematikerIn oder HistorikerIn (oder verwandte Berufe) kennen,
sprechen Sie sie/ihn doch mal darauf an. Zur Not reicht auch
ein(e) Mathematik-interessierte(r) SchülerIn. Der Zusammenhang ist
doch (s.o.) eigentlich ganz einfach.
Ende 1999 gab es schon an vielen Stellen Hinweise auf den richtigen
Zeitpunkt der Jahrtausendwende. Da das allgemeine "Jahrtausendfieber" aber
bereits ausgebrochen war, wurde zu Silvester '99 immer noch viel vom "neuen
Jahrtausend" geredet. Im Laufe des Jahres 2000, wenn sich die Sparbücher
wieder von den 2000-Feiern erholt haben, wird man wahrscheinlich viele
fett gedruckte Hinweise auf den tatsächlich noch bevorstehenden
Jahrtausendwechsel finden, denn eine "erneute" Jahrtausendfeier würde
die Profite natürlich maximieren. Das ist ein Nebeneffekt, den wir
durch rechtzeitige Hinweise lange vor dem Jahreswechsel 2000 vermeiden
wollten.
Nun kommt es auf die "Flexibilität" derer an, die die Jahrtausendwende
schon einmal gefeiert haben. Aber am 31.12.2000 wird keiner gefragt, was
er vor einem Jahr gefeiert hat. An der Schwelle zum neuen Jahrtausend werden
wir doch nicht so kleinlich sein! Wir werden alle zusammen kräftig
feiern!
Wir können zweimal ganz groß
feiern!!!
!Deutschsprachige
Websites, die den Zusammenhang korrekt darstellen (es gibt auch
englische):
-
Physikalisch-Technische Bundesanstalt, zum Thema Gregorianischer
Kalender.
-
Münchener Astro Archiv, Astronomisches Kalenderwesen, Abschnitt Gregorianischer
Kalender.
-
Hochschule Bremen, Olbers-Planetarium, Thema: Jahrtausendwechsel.
-
Wiener Arbeitsgemeinschaft für Astronomie: Wann
beginnt das dritte Jahrtausend?
-
Gesellschaft für Schwerionenforschung, Ingolf Giese, Der
Termin des Jahrtausendwechsels.
-
Informationsdienst Wissenschaft, Pressemitteilung: Das
dritte Jahrtausend beginnt 2001.
-
Institut für Kommunikations- und Medienwissenschaft der Universität
Leipzig, Andreas Vogel, Die
Jahrtausendfrage.
-
TVSE GmbH, Wann beginnt
das dritte Jahrtausend? (mit Auszug aus "Himmelsjahr 1998" vom Kosmos
Verlag)
-
dpa-Meldung aus Stern online vom 5.4.1997, zitiert auf der Website "1999".
-
Schwäb. Tagblatt v. 29.12.98: Die
Null: Attraktiver als die Eins.
-
Moosburg Online, Wann beginnt
das dritte Jahrtausend?
-
Die Millenniumshoax, mit Countdown.
-
Aktion
Jahrtausendwende 2001
-
Homepage von Martin M.: Das
sogenannte "Millennium-Problem".
In jedem Lexikon, das unter dem Stichwort "Jahrtausend" oder "Jahrhundert"
ein Ende-Datum nennt, werden Sie den 31.12.2000 finden und nicht den 31.12.1999.
Vielen Dank an Dr.
Arndt Brendecke (Historiker an der Uni München und Autor des Buchs
"Die Jahrhundertwenden.
Eine Geschichte ihrer Wahrnehmung und Wirkung", Campus Verlag 1999)
für fachliche Unterstützung bei der Vervollständigung dieses
Papers.
Vielen Dank an David Williams aus Großbritannien für Korrekturen
der Übersetzung ins Englische.
Die ursprüngliche Version dieses Textes
stammt aus 1999 und wurde angepasst an die Sicht aus dem Jahr 2000 (mit
inhaltlichen Ergänzungen) und inzwischen an die Sicht
aus dem Jahr 2001.
Rückmeldungen zu diesem Paper
können Sie gerne schicken an den Autor Walter Schittek:
Bitte haben Sie Verständnis, dass ich nicht auf jede Mail antworten
kann, da ich beruflich und privat stark eingespannt bin.